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Illusion 4.0?

Industrie 4.0, Arbeit 4.0, Wirtschaft 4.0, Logistik 4.0 - was haben wir denn eigentlich noch nicht gevierpunktnullt? Der Punkt, an dem ich es nicht mehr hören konnte, war im vergangenen Sommer erreicht. Zumal jeder etwas Anderes darunter versteht...

Dabei ist die Vernetzung von Maschinen eine sinnvolle Sache. Unser Unternehmen hat beispielsweise alle Arbeitsbühnen unseres Mietparks mit einer Telematiklösung ausgestattet. Diese übermittelt und neben Standort und Nutzungsdaten auch Fehlercodes der Maschine. So konnte schon manches überflüssige Ausrücken eines Technikers vermieden werden, da die Ursache telefonisch behoben werden konnte. Durch die Transparenz von Mieteinsätzen macht sich das System selbst bezahlt - schließlich geht die geflunkerte Aussage "am Wochenende steht das Gerät" nicht mehr so leicht über die Lippen.

Auch im Staplerbereich nimmt die Vernetzung zu: mit Linde connect können wir unseren Kunden ein hervorragendes Flottenmanagementsystem anbieten, das von A wie Analyse der Nutzung bis Zugangskontrolle viele Möglichkeiten bietet. Die Steigerung sind die fahrerlosen Transportsysteme (FTS) von Linde robotics, die autonom per Bilderkennung und Sensoren unbemannt durch Lagergänge fahren. Zur Logimat konnte man sogar ein Linde-FTS in Kombination mit einer Drohne mit Scanfunktion erleben. Die beiden können nachts selbständig die Regale abfahren und auch in den oberen Regalzeilen die Barcodes abscannen oder die RFID erfassen. So wird eine kostengünstige permanente Inventur ermöglicht. Noch ein Prototyp, aber in einem Jahr zu erwerben.

 

Am vergangenen Freitag wurde in Ilmenau unter Teilnahme von viel regionaler Prominenz aus Politik und Wissenschaft das  Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 eingeweiht. Nicht nur Reden wurden geschwungen, es gab auch viel zu sehen: Modellfabriken zu 3D-Druck, Migration, Objekttracking und - nun mein Lieblingsausdruck des Tages - robotisiertes Rührreibschweißen. Hier sind also die Befürworter und Anwender der 4.0-Begriffe und die Vernetzung von verschiedenen Hochschulen und Unternehmen macht einen erfolgversprechenden Eindruck. Und ein Hinweisschild machte klar, dass zum Glück noch nicht auf papierlose Toiletten gesetzt wird ;-)

Kritisch könnte ich einwerfen, dass auch schon vor 20 Jahren permanent Verbesserungen umgesetzt wurden. Damals hieß es Rationalisierung. Immer im Rahmen des gerade technisch machbaren. Nur, dass heute mehr machbar ist. Und immer schneller. Also alter Wein in neuen Schläuchen?

 

 

Ich hatte im vergangenen Sommer die Gelegenheit, die Berliner Startup-Plattform factory berlin zu besuchen. Nach Vorträgen von den Betreibern und von Gründern gab es auch eine Podiumsdiskussion. An deren Ende fiel mir auf, dass den ganzen Tag noch kein einziges Mal von Industrie 4.0 die Rede war und stellte die Frage, warum dies der Fall ist. Die Antwort saß: "Das ist so typisch deutsch. Jeden Schaltschrank miteinander zu vernetzen ohne sich zu fragen, ob es den Schaltschrank übermorgen noch braucht." Bähmmmm! Hier sind also die Gegner des Begriffs. Die disruptiven Angreifer, die vom Silicon Valley gelernt haben.Das brachte mich auf die Idee, mit einer Veranstaltung die Befürworter und Kritiker des 4.0-Begriffs zusammenzubringen. Zusammen mit zwei weiteren Unternehmen und drei starken Netzwerken aus Deutschlands Mitte gibt es am 29. März erstmalig das "Wirtschaftsforum am Erfurter Kreuz". Erst Unternehmensbesichtigungen, dann Vorträge und eine hochkarätige Podiumsdiskussion: Mit dabei Niclas Rohrwacher (Factory Berlin), Dr. Mauricio Matthesius (Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0), Prof. Dr. Lars Vollmer (Wirtschaftsvordenker von intrinsify.me), Daniel Behlert (Zalando Erfurt), Prof. Dr. Mario Voigt (Lehrstuhl Digitale Transformation und Politik, Quadriga Hochschule Berlin) Das wird ein Fest, schon bevor der abendliche Ausklang auf der Terasse von SolarWorld Arnstadt stattfindet.

So, nun konnte ich kurz vor Anmeldeschluss noch einmal Werbung für diese tolle Veranstaltung machen, für die man sich noch bis 22.3. hier anmelden kann: http://www.initiative-erfurter-kreuz.de/wirtschaftsforum.html

Wir sehen uns hoffentlich dort und können dann trefflich diskutieren, was eher zutrifft: Industrie 4.0 oder Illusion 4.0.

Viele Grüße, Ihr Sven Lindig,
20. März 2017

 

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