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Eisenacher Logistikforum - ich bin dann mal weg ...

In den letzten Wochen war ich - zumindest für meine Verhältnisse - recht viel unterwegs. In einer Woche durfte ich auch zwei Menschen treffen, die auf meiner „Wunschliste” standen. Am Rande einer Veranstaltung in Berlin unterhielt ich mich mit Frank Thelen, den viele aus dem TV-Format „Die Höhle der Löwen” kennen.

Empfehlenswert finde ich sein Buch „StartUp DNA", das mit großer Offenheit auch Tiefpunkte in seinem unternehmerischen Leben schildert, wie beim Zusammenbruch des Neuen Marktes.

In diesem Zusammenhang finde ich übrigens unangemessen, wie sich manche Medien, unter anderem auch die von mir seit Mitte der Neunzigerjahre gelesene und geschätzte Wirtschaftswoche kürzlich über Frank Thelen ausgelassen haben. Selbst wenn er beispielsweise mit einem offensichtlich unseriösen Gründer Stress hat, der ihn nun öffentlich attackiert oder bei manchen Projekten derzeit keine Erfolge sichtbar sind: Ist hier nicht schon wieder die typisch deutsche Diskussion im Gange, dass alles kaputtgeredet wird, wenn mal nicht alle Kurven nach oben zeigen? Wenn man im Silicon Valley Wagniskapital einsetzt, haben ein bis zwei Mega-Erfolge acht oder neun Fehlinvestments auszugleichen. Hierzulande wird man schon bei einer Lernerfahrung, wie ich solche gescheiterten Projekte lieber bezeichne, unternehmerisch abgeschrieben...

Wieso, WiWo? Reißerische Schlagzeilen für die Auflage?

Noch in der gleichen Woche fand in Hamburg ein von intrinsify.me veranstalteter Kaminworkshop statt. Ich hatte mich schon bei Bekanntwerden der Veranstaltung als einer der Ersten angemeldet, denn Reinhard K. Sprenger ist mir seit seinem Bestseller „Mythos Motivation” ein Begriff. Seine Hauptaussage darin ist, dass Versuche scheitern, durch Anreize zu motivieren. Wir berücksichtigen diese Erkenntnisse in unserem Unternehmen, indem wir auf Provisionen und Boni verzichten. Wenn man aber bedenkt, dass diese Erkenntnisse seit der Ersterscheinung 1991 verfügbar sind, finde ich eher erschreckend, wie viele Unternehmen weiterhin mit der Karotte vor der Nase wedeln und sich dann über gezüchtete Egoismen wundern. Auch seine anderen Werke, insbesondere „Vertrauen führt", „Das anständige Unternehmen", „Radikal führen" und zuletzt „Radikal digital“ sind sehr empfehlenswert.

Beim Workshop waren wir in bewusst kleiner Runde von 15 Personen, so dass jeder seine Fragen stellen konnte. Obwohl manche seiner Bücher das Wort „radikal“ im Titel tragen, überraschte mich die pragmatische Sicht auf die Dinge. Ich hätte vermutet, dass er all die Dinge radikal ablehnt, die er in „Das anständige Unternehmen” zu Recht und meist philosophisch untermauert kritisiert. Er kennt selbst keine Firma, die diesen hohen moralischen Anforderungen gerecht wird und sieht somit schon Verbesserungen im Sinne des Buchs positiv.

Eine Bemerkung gleich zu Beginn gefiel mir besonders: „WIR IRREN UNS VORAN." Niemand kann behaupten, alles zu wissen oder ohne Experimente (die auch scheitern können, siehe oben) zum Erfolg zu kommen…

Ende März dann unser 8. Eisenacher Logistikforum. Mit Prof. Dr. Johannes Fottner von der TU München hatten wir einen Praktiker als Eröffnungsredner vor uns, der selbst schon in der Intralogistikbranche tätig war und nicht aus einem Elfenbeinturm predigte. Er machte klar, warum der innerbetriebliche Materialfluss heutzutage so ein spannendes Betätigungsfeld ist. Während viele Technologien wie z.B. Autonomes Fahren in der freien Wildbahn selten (zumindest außerhalb des Silicon Valley's) zu sehen sind, weil sie mit der Komplexität der Umgebung noch nicht mithalten können, sind Betriebsgelände ideale Experimentierfelder für das Neue. Egal, ob es um die Vorträge, die Podiumsdiskussion oder das hochkarätige und plastikfreie Catering ging: es gab schon tagsüber jede Menge Komplimente für die Veranstaltung.

Ich war schon am späten Vormittag beunruhigt, weil mich meine Frau informiert hatte, dass es unserem jüngsten Kind (14 Monate alt) nicht gut geht und sie einen schlimmen Verdacht hat. Als am Nachmittag der Anruf kam, dass ich zum Krankenhaus fahren soll, sagte ich nur kurz einigen Mitstreitern Bescheid und startete, obwohl ich normalerweise auch die Verabschiedung der Gäste vorgenommen hätte. Nun kann ich den vorzeitigen Aufbruch vom eigenen Event erklären. 

Der Verdacht war leider richtig. Es handelte sich um eine Komplikation im Darm, die beim Kinderarzt mit Ultraschall sichtbar wurde und sich im Krankenhaus bestätigte. Nachdem die ersten Behandlungsversuche scheiterten, wurde eine Verlegung ins Universitätsklinikum Jena veranlasst, da dort im Notfall auch in einer spezialisierten Kinderchirurgie operiert werden könnte. Der härteste Moment war für mich, als unser Baby auf die Liege geschnallt wurde, um in den Krankenwagen gerollt zu werden. Ein Alptraum. Kurz darauf befand ich mich in meinem Anzug mit Blaulicht auf der Autobahn. Mein Sohn war mit Beruhigungsmitteln ruhiggestellt und schlief, ich versuchte mich abzulenken. 

In Jena konnte im ersten Schritt die Akutsituation behoben werden, am nächsten Morgen zeigte sich aber in der Sonographie, dass die Ursache noch nicht vollständig behoben ist. Bis zum Mittag sollte nun abgewartet werden, um ansonsten zu operieren. Viele Stunden des Bangens mit einem auf der Intensivstation am Tropf hängenden Kleinkind. Dann endlich die gute Nachricht: Alles wieder in Ordnung, Operation nicht mehr notwendig. An dieser Stelle danke ich allen Beteiligten: im Eisenacher St. Georg Klinikum, den Krankenwagenfahrern aus Herda (von denen ich mich im Ankunftsstress in Jena nicht mal verabschiedet habe) und den Schwestern und Ärzten in Jena.

Was mir diese zwei Tage mal wieder gezeigt haben: Es kann sich alles schlagartig ändern. Wenn das eigene Kind betroffen ist, spielt plötzlich vieles keine Rolle mehr. Weder Veranstaltungen, Kontostände oder wen man vorher getroffen hat. Unsere Familie ist dankbar, dass es dem Kleinen wieder gut geht und er schon wieder den gleichen Schabernack treibt wie vorher. Und wenn man gerade anfangen will, sich über eine Kleinigkeit aufzuregen, kann man sich wunderbar vor Augen führen, dass es Schlimmeres gibt…

Ihr
Sven Lindig

Sven Lindig im Interview von Staplerworld

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