Sven Lindig schreibt aktuell für Sie ...

Der Chef geht ...

Auch Unternehmer haben ein Recht auf Elternzeit. Schlecht geführte Unternehmen gehen nur mit dem Chef - gute auch ohne!

Wenn mir jemand vor neun Jahren erzählt hätte, dass ich einmal drei Kinder haben werde, hätte ich die Person sehr ungläubig angeschaut. Und dass ich mich beim dritten Kind einen Monat aus dem eigenen Unternehmen ausklinke, hätte für die gleiche Verwunderung gesorgt.

Damals kam meine erste Tochter auf die Welt. Arbeitszeitfreundlich am Wochenende - am Montag war ich wieder wie jeden Tag morgens um halb sieben an der Arbeit. Es blieb bei den 12-Stunden-Arbeitstagen...

Heute weiß ich, dass dies ein Fehler war. Sicher gab es viele hindernde Umstände, die ich zu meiner Entschuldigung hervorbringen könnte. Aber vor allem fehlte mir damals das Bewusstsein, dass dieser Weg nicht richtig ist. 

Als irgendwann im Zuge des gesellschaftlichen Wandels die ersten Väter zu Hause blieben, habe ich zugegebenermaßen negativ darüber geurteilt. Genderwahn und Gleichmacherei, wahrscheinlich von Feministinnen eingefordert, die einen Rollentausch anstreben?

Mittlerweile habe ich dazugelernt. Man sollte seine Frau in dieser Phase unterstützen!! Gerade, wenn schon Kinder da sind. Aber auch, wenn dies noch nicht der Fall ist. Und dieses Wunder genießen, das einer Familie mit einem Kind geschenkt wird.

Als ich zum diesjährigen Firmen-Herbstfest erstmals in größerer Runde vor Mitarbeitern verkündet habe, dass ich mich nach der Geburt einen Monat ausklinken möchte, gab es Applaus. Ich gehe nicht davon aus, so unbeliebt zu sein, dass alle Applaudierenden froh waren, mich eine Weile nicht zu sehen. Sondern dass es positiv gesehen wird, weil ein Chef zeigt, dass Familie wichtig ist und es vorlebt. Schließlich wurde uns schon mindestens ein neuer Mitarbeiter von seinem Ex-Boss in die Arme getrieben, als es zu einem Eklat um den Wunsch auf Papa-Zeit kam ...

Wenn ich im Oktober mal mittags mit Frau und Kinderwagen in der Stadt gesichtet wurde, erntete ich manch verwunderte Nachfrage auf meine Aussage, dass ich mich einem Monat nicht im Unternehmen blicken lasse. Aber ein entfernter Bekannter brachte es auf den Punkt: "Wie gut eine Firma läuft, zeigt sich daran, wie gut sie ohne Chef klarkommt." 

Der "Super-Boss", der alle Fäden in der Hand hält und jede Entscheidung selbst trifft, macht eine Organisation von sich abhängig. Und so zu ihrem Sklaven. Die Mitarbeiter übrigens auch, die unsicher vor möglichen Fehlern jedes Detail vom Chef absegnen lassen und in ihrer Unmündigkeit frustriert den Alltag über sich ergehen lassen, statt erfüllt Sinn in ihrer Tätigkeit zu erleben.

Ich bin zu neugierig, um nicht meine Mails zu checken. Und habe auch ab und zu eine Postmappe bekommen, damit danach kein Berg auf mich wartet. Aber ich habe das Experiment bestanden und bin nicht an die Arbeit gefahren. 

Neun Jahre können eine lange Zeit sein, in der vieles passiert. In der man viel lernen kann, wenn man dazu bereit ist. In der man seine Einstellung ändern kann und auch eine Unternehmenskultur.

Ich rate jedem werdenden Vater, den ersten Monat mit Baby bei der Familie zu bleiben. Denn nicht immer hat man die Chance, es ein paar Jahre später noch einmal besser zu machen ...

Sven Lindig,
1. November 2015

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