Sven Lindig schreibt aktuell für Sie ...

Aus der Luftfahrt lernen

Anfang Dezember 2017 hatte ich ein besonderes Erlebnis: Ich saß im Cockpit eines Airbus-Airliners und durfte ihn starten und landen. Na gut, kleine Einschränkung, es war ein Simulator. Aber dazu später mehr.

Das Fliegen übt wohl auf viele Menschen eine besondere Faszination aus. Die meisten hierzulande sind schon mit dem Flugzeug im Urlaub gewesen und kennen das Kribbeln bei Start und Landung. Aus bekannten Umständen heraus ist es heute nicht mehr so einfach wie früher, mal in einem echten Cockpit Platz zu nehmen.

Nicht nur der Wunsch hiernach führte mich ins Lufthansa Aviation Training Center in Frankfurt, sondern auch die theoretischen Inhalte des Seminars „Von der Luftfahrt lernen“. Erst kürzlich sah ich den Film „Sully“ über die geglückte Notlandung auf dem Hudson River. Der erfahrene Captain, der das Seminar leitete, hält diesen Film übrigens für den einzigen realistischen in der gesamten Filmgeschichte.

Wir erfuhren viel über das heroische Bild, das früher von den Helden der Lüfte gezeichnet wurde und manch erfahrenen Piloten in Arroganz und Ignoranz verfallen lies. Auf so einem hohen Sockel lässt man sich von anderen nicht so gerne etwas sagen. Schon gar nicht von einem unerfahreneren Co-Piloten. Dieses Phänomen wurde durch Auswertung tragischer Unglücke erkannt. Seit den Siebzigern wird viel unternommen, um diese Nebeneffekte des hohen Sockels zu bekämpfen.   

Mit vielen Maßnahmen und Instrumenten wird dafür gesorgt, dass sich Mitarbeiter in Cockpit und Kabine trauen, Fehler anzusprechen. Direkt oder im Nachgang - sofern es sich um überlebbare Fehler handelt, was glücklicherweise zumeist der Fall ist. Nur so konnte sich die zivile Luftfahrt auf dieses hohe Sicherheitslevel begeben. 

  ↵

Wir analysierten psychologische Phänomene und Entscheidungsprozesse. Spannend fand ich dabei den FORDEC - Entscheidungsprozess (https://de.wikipedia.org/wiki/FORDEC), der mir vorher nicht bekannt war und den man in vielen Lebenslagen anwenden kann.  

Höhepunkt war der Flug im Simulator. Wir waren vier Teilnehmer, die vorab von einem Piloten instruiert wurden. Natürlich nutzten wir nur einen Bruchteil der vielen Bedienelemente und Anzeigen. Nach 30 - 40 Minuten Theorie ging es in den Simulator. Man konnte unsere freudige Nervosität spüren. Zwei gingen nach vorne als Pilot und Co-Pilot, die zwei Anderen beobachteten und machten dazu Notizen und der echte Pilot gab notfalls Hinweise und, um den Stressfaktor zu erhöhen, gab es je einem Aufgabenzettel mit einer zu meisternden Krisensituation, bei der man mit FORDEC zum Beispiel den richtigen Notflughafen auszuwählen hatte. Unter Zeitdruck natürlich ...  

Wir haben unsere Aufgaben gut gemeistert, trotzdem möchte ich nie in die Verlegenheit kommen, mit einem echten Airbus landen zu müssen.

 Neben viel spannender Theorie für Fehlerkultur und Führung sowie lehrreichen Analysen von Ursachen historischer Unglücke war auch der zweite Tag mit Aktion versehen. Mit der Notfallrutsche vom A380 runter - jeder fühlte wieder das Kind in sich, denn ohne Notsituation ist es eine Gaudi. Dann war jeder mal entweder Flugbegleiter oder widerspenstiger Passagier, garniert mit austretendem Rauch. Es ging manchmal etwas albern zu, die Rutsche hat den überdimensionalen Abenteuerspielplatz eröffnet.

 Bei allen heiteren Momenten, die das Seminar beinhaltete, stand jedoch in Summe das Lernen im Vordergrund. Ich bin dankbar für viele Einblicke in eine Welt, die ich bisher nur aus der Sicht eines Passagiers kannte. Mögen die Erkenntnisse über den richtigen Umgang mit Fehlern sich von der Luftfahrt in die restliche Wirtschaft ausbreiten. Denn Fehler sind - entgegen des aktuellen Hypes um das Wort - nur positiv, wenn wir daraus lernen.

Sven Lindig

29.12.2017

Treten Sie in Kontakt mit LINDIG

 
Hauptsitz Eisenach
  • LINDIG Fördertechnik GmbH
  • Albert-Lindig-Straße 1
  • 99819 Krauthausen
Kontakt