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Arbeitswelt und Digitalisierung- Ein Interview mit Sven Lindig

Kürzlich veranstalteten wir gemeinsam mit der Initiative "New Work Thüringen" eine Abendveranstaltung zum Thema Neue Arbeitswelt. Hier das Interview der Thüringer Allgemeinen, geführt von Katja Schmidberger.

Sven Lindig ist 44 Jahre, verheiratet, hat drei Kinder und führt seit sechs Jahren die LINDIG Fördertechnik, einen Familienbetrieb, der seinen Anfang bereits 1899 nahm. 

LINDIG gehört heute mit seinen 300 Beschäftigten zu den ausgezeichneten Arbeitgebern im Mittelstand, das Unternehmen hat dafür im vergangenen Jahr das Top-Job-Siegel erhalten. 
Sven Lindig will aber mehr als nur ein innovativer Unternehmer sein, er will Arbeiten für die nächsten Generationen zukunftsfähig machen. Deshalb engagiert sich der 44-Jährige in der Initiative „New Work Thüringen“. Warum ihm das Thema so wichtig ist, das fragten wir ihn im Interview der Woche. 

Wenn wir über neue Arbeitswelten reden, wo stehen wir jetzt? Und wo müssen wir hin? 
Ich habe  mich in den letzten Jahren intensiv mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt und viel Fachliteratur gelesen, die Werke von Christoph Keese zum Silicon Valley waren da sehr wichtig für mich. Es geht eben nicht nur darum, Papierprozesse zu digitalisieren, sondern vielmehr um Strukturen innerhalb der Organisation Wir müssen weg vom Silo-Denken. Viele Unternehmen beschäftigen sich aufgrund ihrer pyramidenförmigen Organisation zu viel mit sich selbst, das ist mein Eindruck. Wir arbeiten aktiv daran, hiervon wegzukommen, Organisationsentwicklung ist allerdings keine banale Sache. 

Gehört zu „New Work“ nicht auch, dass Mitarbeiter sich möglichst wohl fühlen sollen? 
Der Begriff „New Work“  wird manchmal missverstanden. Es geht nicht allein darum, es für die Mitarbeiter etwas kuschliger zu machen, ihnen vielleicht einen Sitzsack in die Ecke zu legen, einen Tischkicker zu besorgen und einen Feel-Good-Manager einzustellen.  Das ist oft nicht die richtige Antwort auf die Probleme, die womöglich in der Organisation existieren. Ich warne davor, Mitarbeitern nur so das Gefühl zu geben, dass sie wichtig sind, aber an der Organisation als solches nichts zu verändern. Diese Sozialhygiene hilft den Unternehmen nicht weiter, um den Anforderungen von morgen zu begegnen. Es gilt, Wertschöpfungshygiene umzusetzen, Managementballast abzuwerfen. Wenn die Mitarbeiter dann spüren, dass sie gemeinsam wirkungsvoll Kundenprobleme lösen können und nicht nur in langweiligen Meetings sitzen, fühlen sie sich auch wohl. 

Was machen Sie anders als andere  Unternehmen? Plakativ gefragt: Sind Tischkicker nur was für Kreativunternehmen? 
Wichtig ist die Unterscheidung zu erkennen, wo braucht es Freiräume für Kreativität, und wo habe ich eine Themenwelt, die nicht von diesen Unwägbarkeiten geprägt ist.  Ich nenne als Beispiel mal die Buchhaltung. Sie muss man nicht in eine Workshopumgebung mit Kreativtafeln stecken. Es  wäre eher kontraproduktiv, wenn alles auf den Kopf gestellt wird, was an rechtlichen Rahmenbedingungen besteht.  Wenn ich als Dienstleister mit unterschiedlichen Anforderungen von Kunden umzugehen habe, ist es hingegen erforderlich, dass wir von den starren traditionellen Denkmustern wegkommen und Mitarbeitern mehr Freiraum geben. Auch wenn wir schon einiges anders machen, möchte ich nicht den Eindruck erwecken, dass wir schon am Ziel sind. Auch wir haben unsere Herausforderungen, möchten aber aus den Fehlern lernen, die wir machen. 

Wie kam es zum Kontakt mit  der Thüringer „New Work“- Initiative? 
Wir waren beim Filmprojekt „AugenhöheWEGE“ dabei. Das war für mich wie  ein Startschuss für einen neuen Weg, den auch ich mit meinem Unternehmen gehen wollte. Über den Film kam der Kontakt zu „New Work Thüringen“, die sich auch erst im letzten Jahr als Initiative zusammenfanden. Gerade vor wenigen Tagen  haben wir im Automobilmuseum ein großes Treffen organisiert.  Es war eine tolle Veranstaltung in einer tollen Location, zu der wir Vordenker der neuen Arbeitswelt bei uns in Eisenach begrüßen konnten. Dazu zählten die Macher von Intrinsify.me, dem führenden deutschsprachigen Netzwerk in Sachen neue Arbeitswelt. 

Wie viele Menschen waren zu der Veranstaltung gekommen? 
Es waren circa 150 Personen zu diesem Meetup. Man hat den Spirit gefühlt, der da im Raum war. Es waren nicht nur Gäste aus Thüringen dabei, Teilnehmer kamen sogar extra aus Berlin oder Leipzig angereist. 

Sind sie Mitglied in der Initiative „New Work Thüringen? 
Es gibt keine direkte Mitgliedschaft, es ist kein eingetragener Verein. Es hat sich so ergeben, dass wir gemeinsam über neue Veranstaltungen nachdenken und das Thema auch in die Köpfe tragen wollen. Thüringen war bei diesem Thema lange Zeit ein weißer Fleck. In der Softwareentwicklung, wo öfter kleine homogene Teams von Akademikern zusammen sind, ist diese Welt, diese neue Form des agilen Zusammenarbeitens vertrauter. Sie sind  auch näher an der Digitalisierung dran. In der klassischen Branche, in der wir unterwegs sind, sind wir schon ein bunter Vogel. Ich kenne in Deutschland keinen anderen  Stapler- oder Arbeitsbühnenbetrieb, der sich so in dieses Thema hineinbegeben hat. 
  
Waren Eisenacher Vertreter bei der jüngsten New-Work-Veranstaltung dabei? 
Es ging  gerade  darum, dass dieses Thema nicht nur in Jena vor  Softwareentwicklern präsentiert wird, sondern, dass wir es nach Eisenach holen, um damit auch in Westthüringen andere Mitstreiter für das Thema zu gewinnen. Es waren große Industriebetriebe und Dienstleister aus der Region mit ihren Unternehmenslenkern vertreten. Das positive Feedback dieser Chefs bestärkt mich. Auch die Erkenntnis wächst, dass die Rezepte von gestern morgen nicht mehr funktionieren. 
  
Steckt „New Work“  aus ihrer Sicht in Thüringen noch in den Kinderschuhen? 
Das Thema hat in Thüringen überraschend Fahrt aufgenommen. Es gibt eine Community, die regelmäßig und zeitnah zusammenkommt,  wo alle paar Wochen irgendwo eine Veranstaltung stattfindet. Wir sind spät gestartet, aber dafür jetzt mit hoher Geschwindigkeit unterwegs. Es ist hoffentlich mittelfristig so, dass es nicht nur im Marketing- und der Softwareentwicklung, sondern auch in der klassischen Industrie, im Mittelstand, in Familienunternehmen ankommt. Dafür möchte ich gern meinen Beitrag leisten. Letztlich will ich auch den anderen Unternehmen einen alternativen Weg aufzeigen, sich besser im Wettbewerb behaupten zu können und sich fit für die Zukunft zu machen.. 
  
Stoßen Sie mit ihren Ideen auch auf  Widerstand?  Gibt es Unternehmer, die der Digitalisierung eher skeptisch gegenüber stehen? 
Außenseiter werden ja hierzulande gerne skeptisch betrachtet, die positiven Rückmeldungen überwiegen aber.  Wir haben mittlerweile auch einen CDO (Anm. d. Red. Chief Digital Officer, eine Art Manager, der die Digitalisierung im Unternehmen entwickelt, koordiniert und  vorantreibt). Es geht hier auch um das Organisationsverständnis, wo neue Wege zu gehen sind. Früher hat es noch gut funktioniert, wenn ein Chef auch gegen den Widerstand seiner Mitarbeiter Anweisungen gegeben hat. Heute hat sich das Machtverhältnis zwischen Mitarbeitern und Chefs etwas gewandelt.  Das ist auch gut so. Die  Von-oben-herab-Führung verträgt sich mit der heutigen Generation nicht mehr. Auch in Bezug auf die Märkte müssen Unternehmen sich ständig neu erfinden. Im Großen und Ganzen ist das Verständnis dafür da, auch bei unseren Führungskräften. Mit der Beschäftigung mit dem Thema Digitalisierung wird deutlich, dass es jeden etwas angeht. Egal, ob man Fabrikarbeiter oder Unternehmer ist, die Auswirkungen treten so oder so ein. Die Frage ist nur, ob man selbst verändert oder von außen verändert wird. Man kann gerne skeptisch sein, wer sich aber mit dem Thema beschäftigt wird schnell merken, dass man nicht mehr wegschauen kann.

Wer mehr zum Thema erfahren möchte, kann sich unter folgendem Link zum Wirtschaftsforum am Erfurter Kreuz am 29.3.2017 anmelden, wo Prof. Dr. Lars Vollmer von intrinsify.me einen Key-Note-Vortrag hält:

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