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Chef, wechsel mal die Räder!

Als ich durch die vereiste Morgenlandschaft fuhr, bereute ich, den Termin aus dem wärmeren September heraus verschoben zu haben. Nun war es Ende November 2016 und die Morgensonne glitzerte strahlend kühl im Rauhreif der Wiesen und Bäume.

Es war verdammt kalt. Aber schon im nächsten Moment verwarf ich den eben geäußerten Gedanken, denn unsere Servicetechniker stehen auch bei Wind und Wetter draußen. An diesem Tag war ich einer von ihnen...

Es ist lange her, dass ich meine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker absolviert habe. Mein damaliges Spezialgebiet, den russischen Saporoshez für den Kupplungswechsel halb zu zerlegen, wurde mir seitdem nicht mehr abverlangt. Zu meiner Freude - das Arbeiten über Kopf liegt mir nicht. Insofern sind mir unsere Stapler sehr sympathisch, alles ist ohne Hebebühne erreichbar.

Erst recht die Räder, hier geht man vor dem Stapler in die Knie. Kollege Florian (wir sind erst seit diesem Tag per Du) legt vor, danach bin ich dran. Dank moderner Akkuschrauber geht alles schnell von der Hand und wir sind schnell fertig. Natürlich kam auch der Drehmomentschlüssel zum Einsatz. Wartung fällt aus, Stapler wird gebraucht.

Wir hatten an diesem Tag noch mehrere Reifeneinsätze, leider keine komplizierten Fehlersuchen mit Notebook. Auch mal anstrengendes Nachschneiden von Reifenprofilen. Mein erster Reifen sieht bescheiden aus und ich verbrauche etliche Klingen. Beim zweiten klappt es prima mit nur einer Klinge. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, aber (fast) alles ist erlernbar.

In den vergangenen Jahren habe ich somit den dritten Tag im praktischen Bereich absolviert. Mal in der Werkstatt, mal mit dem Tieflader unterwegs, diesmal mit dem Servicetechniker. Schön sind die Situationen, wenn ein mir bekannter Kunde nicht damit rechnet und erst beim mehrmaligen Hinschauen realisiert, dass sich hier gerade der Inhaber die Hände schmutzig macht. Wobei - die Arbeitshandschuhe von heute sind echt klasse! Während ich vor etlichen Jahren noch für Handschuhverbot in der Werkstatt plädiert hätte, weil die klobigen Lederpranken Produktivitätskiller sind, wurde ich nun mit der aktuellen Ausstattung eines Besseren belehrt. So konnte ich durch praktisches Erfahren mein Weltbild korrigieren.

Ein solcher Praxistag hat also viele positive Aspekte. Geerdet werden, in Anbetracht der eigenen Inkompetenzen. Einblicke bekommen, in den Alltag seiner Kollegen. Probleme erkennen, die sonst weit weg sind. Wir ermutigen unsere Mitarbeiter, gerne regelmäßig tageweise den Arbeitsplatz zu tauschen. Einzige Bedingung ist ein Eintrag in unser Intranet. Heute hole ich diesen mit etwas Verspätung nach und habe auch gleich ein Thema für meinen monatlichen Blog. Wie praktisch!

 

Viele Grüße, Ihr Sven Lindig,
31. Januar 2017

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