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Augenhöhe und der nackte Kaiser

Am vergangenen Wochenende fand das 33. Wevent von intrinsify.me in Eisenach statt - tolle Gäste fanden sich ein, um über die neue Wirtschaft und damit die Zukunft der Arbeitswelt zu diskutieren und zu lernen.

Es wurden - in Anlehnung an das Reformationsjubiläum - Thesen gebildet. Zum Abschluss gab es eine Auswertungsrunde mit Anschlag der Thesen und  Diskussion darum, welche Thesen umstritten und mit Veto versehen sind. Unumstritten war die These, dass wir zukünftig noch mehr mit umstrittenen Thesen zu leben haben...

Es gab wie immer vorher keine Agenda, die Teilnehmer hatten nach dem Prinzip des Open Space die Möglichkeit, eigene Themen zu erstellen und um Gesprächspartner zu werben. Eine spannende Session drehte sich um die Frage: "Was genau ist Augenhöhe?" Diese Diskussion interessierte mich sehr, da unser Jahresmotto 2016 und 2017 lautet "Mit Veränderung auf Augenhöhe."

Ein Aspekt des Begriffs betrifft mich selbst und hierüber habe ich in den letzten Wochen verstärkt nachgedacht. Ich kann als Inhaber und Geschäftsführer zwar Augenhöhe proklamieren und versuchen Hierarchien abzubauen, andererseits bin und bleibe ich in einer Machtposition. Und es ist auch meine Verantwortung, im Zweifelsfall auch mal eine harte Entscheidung zu treffen. Egal ob es um organisatorische Veränderungen geht, in denen ich einen Mehrwert für die Zukunft sehe oder auch mal in Ausnahmefällen eine personelle Entscheidung zu treffen.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf tun sich manche schwer, mir offen zu sagen, was sie wirklich denken. Auch wenn ich mir größte Mühe gebe, freundschaftlich und auf Augenhöhe mit anderen Teammitgliedern zu kommunizieren. Dann passiert es, dass ich keine Rückmeldung zu meinem Verhalten und meinen Fehlern bekomme. Dann würde es mir gehen wie dem Kaiser mit den angeblich neuen Kleidern im Märchen von Hans Christian Andersen...

Auch wenn ich nun schon 45 Jahre alt bin, mit Abitur, handwerklicher Ausbildung, Studium und Berufserfahrung ausgestattet, mache ich noch Fehler. Und ich bin den Menschen dankbar, die mich darauf hinweisen und mir so die Gelegenheit geben, aus den Fehlern zu lernen.
Vielleicht ist es ungewöhnlich, dass ich mich als Chef nicht nur mit der erfolgreichen Seite meines Wirkens in die Öffentlichkeit begebe und so auch verwundbar mache. Indem ich nicht so tue, als ob ich wie ein Superman alles richtig mache. Meine Hoffnung ist, dass ich somit mein Umfeld ermuntere, mir auch Kontra zu geben, zu widersprechen und mich auf Verfehlungen hinzuweisen.

Bei dieser Gelegenheit kann ich mich auch gleich bei den Menschen bedanken, die dies schon tun. Herzlichen Dank!
Ihr / Euer

Sven Lindig 
29.9.2017

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