Sven Lindig schreibt aktuell für Sie ...

Nochmal ein Blog zur Digitalisierung? Weil ich es wage, einem Wirtschaftsvordenker zu widersprechen!

Sorry, wenn es jetzt schon wieder um Digitalisierung geht. Danach ändere ich (wahrscheinlich) mal wieder das Thema. Ich schreibe aber in meinem Blog am liebsten über Dinge, die mich gerade beschäftigen, über aktuelle Impulse.

Einen solchen bekam ich am vergangenen Mittwoch beim von uns mit Partnern veranstalteten Wirtschaftsforum am Erfurter Kreuz. Durch einen Impulsvortrag, nämlich von dem mir gut bekannten und hoch geschätzten Lars Vollmer, Unternehmer, Wirtschaftsprofessor, Bestsellerautor, Mitgründer des ThinkTanks intrinsify.me.

In seiner Key-Note "Digitale Transformation - vom Wandel in der Service-Ökonomie" nahm er vieles süffisant auf die Schippe: vor allem Managementpraktiken aus dem vergangenen Jahrhundert, die heute noch die Menschen von der Wertschöpfung für Kunden abhalten: Business-Theater, zum Beispiel mit Audits. Ich pflichte ihm in fast allen Punkten bei - nur in einem nicht: Er kritisierte die Ernennung von Digitalisierungsbeauftragten, neudeutsch CDO genannt, was für Chief Digital Officer steht. Wir gehen eher mit einem Augenzwinkern mit der Begrifflichkeit um, seit wir seit Anfang des Jahres mit Jens Wenzke jemanden in dieser Funktion haben. Meines Wissens als Erste unserer Branche. Den Titel haben wir gewählt, weil der Begriff mittlerweile vielen im Sinne von Digitalisierungsunterstützer etwas sagt. Auf keinen Fall, weil wir Hierarchiegedöns mit Chefstatus fördern wollen.

Den Grundsatz seiner Kritik verstehe ich: Wenn eine einzelne Person für etwas verantwortlich gemacht wird, was alle angeht. Qualität zum Beispiel wird an jedem Arbeitsplatz geschaffen und nicht von einem QMB. Auch für Wissensmanager und Innovationsmanager gilt dies. Davon abgesehen, dass Innovationen schwer zu managen gehen, da sie auf Ideen beruhen. Wenn die besten Ideen angeblich unter der Dusche entstehen, liegt die Lösung also in der Installation von mehr Duschen im Unternehmen? Wird eine Bank dadurch ethischer, indem Sie in einer neuen (abgeteilten!) Abteilung Hundertschaften von Compliance Managern beschäftigt? Sie merken es selbst...

 

Eine der Aufgaben unseres CDO besteht genau darin, zu tun, was Lars Vollmer vorschlägt: "Bewältigen Sie NICHT das Problem „digital“, sondern treiben Sie die einzelnen kleinen Ideen voran, mit denen Sie ein Kundenproblem durch Digitalisierung besser lösen können als zuvor. Das eigentliche Problem heißt nämlich nicht „Digitalisierung“, sondern „Wettbewerbsfähigkeit“. Und überall wo sich dann etwas rührt, können Sie Ressourcen und Aufmerksamkeit hinlenken. Richtig, es ist weniger ein technisches als ein menschliches Thema, die Mitarbeiter sind auf die hohe Veränderungsgeschwindigkeit technologischer Veränderungen vorzubereiten.

Eine andere lässt sich meiner Meinung nach mit internen Ressourcen viel schwieriger lösen. Ein Unternehmen, das über die Jahre erfolgreich gelernt hat, dass sein Geschäftsmodell gut funktioniert, kann hellwach sein und immer die Angst haben, dass es schon morgen anders sein kann. Wie Google bzw. Alphabet, wo ständig in neue Projekte investiert wird, man sich ständig neu erfindet. Ist es aber in den seltensten Fällen. Als Beispiel wurde im gleichen Vortrag Nokia genannt. 1. Lachen, 2. Meckern, 3. Abwickeln. Keine zehn Jahre hat der Niedergang seit der Vorstellung des ersten iPhone gedauert, das anfangs aus Skandinavien heraus belächelt wurde. Was zeigt, dass der Erfolg von gestern (45% Marktanteil bei Nokia) in den meisten Köpfen gedanklich in die Zukunft projiziert wird.

Neben dem internen Wachrütteln, dem Fördern der genannten kleinen Ideen hat unser CDO auch eine andere Aufgabe: uns zu kannibalisieren! Denn dazu sind aus meiner Sicht die wenigsten Organisationen VON INNEN HERAUS bereit. Nokia würde heute vielleicht noch in ähnlicher Stärke existieren, wenn jemand damals als Reaktion auf Apple losgelegt hätte - vielleicht mit separatem Mandat der Eigentümer. Mir erzählte dieser Tage jemand, dass Siemens wohl schon viel früher als Apple eine ähnliche Hardware entwickelt hatte, aber das Projekt wegen fehlendem Geschäftsmodell in der Schublade gelandet sei. Als ich dieser Tage am Rande einer anderen Veranstaltung die Gelegenheit hatte, Prof. Dr. Dieter Wegener von Siemens darauf anzusprechen, nickte er ...  Also vielleicht hier kooperieren, zusätzlich die Softwarekomponente lösen. Android kam auch erst später, damals hatte Nokia noch eine gut gefüllte Kriegskasse. Alles denkbar. Passierte aber nicht, weil man sich in der Nokia Vorstandsetage zurücklehnte und dem iPhone nur minimale Verkaufszahlen für ein paar Freaks zurechnete. Alles wäre möglich gewesen, wenn jemand ohne Scheuklappen das Thema angepackt - oder die Erlaubnis dazu gehabt hätte ...

 

Deshalb bin ich froh, dass wir einen CDO haben. Dass er mit Einblicken aus dem Silicon Valley die Denke von potentiellen Angreifern versteht und unsere Mitarbeiter mit neuen Werkzeugen bei Ihrer Wertschöpfung unterstützt. Mit dem Wissen, dass Digitalisierung kein Selbstzweck ist.

Ihr
Sven Lindig

 

Treten Sie in Kontakt mit LINDIG

 
Hauptsitz Eisenach
  • LINDIG Fördertechnik GmbH
  • Am Marktrasen 1
  • 99819 Krauthausen
Kontakt